5.1 Komplexer Übergang zur KLW
Eine Transformation in Richtung einer Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht weniger als eine Abkehr von der linearen ‘take-make waste’ economy und im Idealfall die Schaffung geschlossener Stoffkreisläufe. Dieser grundlegende Umbau unseres Wirtschaftssystems ist verbunden mit erheblichen Herausforderungen auf den vielen unterschiedlichsten Ebenen. So ist nicht nur eine Präzisierung einzelner Gesetze und die Abschaffung eines falschen Anreizsystems notwendig, sondern auch das Ablegen tief verwurzelter Gewohnheiten, zum Beispiel indem nicht mehr das Besitzen eines Produkts (Auto, Rasenmäher, Bohrmaschine etc.) im Vordergrund steht, sondern das Teilen oder Mieten (wie Sie schon in Woche 4 gelesen haben) und auch eine Kultur des Reparierens. Eine Transition wird jedoch nicht allein durch geändertes Konsument_innenverhalten oder durch alleiniges Recyceln zu erreichen sein.
Stattdessen ist die Verbindung völlig neuer Ansätze, von bisher isoliert betrachteten Themen wie Produktdesign, nachhaltiger Konsum oder ressourceneffizientes Wirtschaften mit abfallwirtschaftlichen Fragestellungen gefordert. (siehe Wuppertalinstitut).
Die thematische Breite einer solchen Transformation zeigt die Darstellung von vier globalen Schlüsselsystemen (siehe A-D) im jüngsten Circularity Gap Report. Vorgeschlagen werden Lösungsansätze (siehe Auswahl unten), die auf den Prinzipien: starke Reduktion bei der Produktion von Neuwaren und längere Verwendungvon Materialien sowie den Austausch fossiler Brennstoffe gegen erneuerbare Energien basieren. (siehe Circle Economy, 2023)
- A. Transformation des globalen Ernährungssystems
Bevorzugung lokaler, saisonaler und biologischer Lebensmittel
Bevorzugung einer regenerativen Landwirtschaft
Vermeidung von Lebensmittelverschwendung - B. Zirkulär gebaute Umgebung
Möglichst hohe Energieeffizienz
Erhaltung des Vorhandenen durch Wiederverwendung, Umnutzung und Renovieren mit Sekundärmaterialien
Priorisierung von zirkulären Materialien und Ansätzen - C. Zirkuläre Lösungen für Industriegüter und Verbrauchsmaterialien
Priorisierung industrieller Symbiosen
Verlängerung der Lebensdauer von Maschinen, Anlagen und Gütern
Änderung des Konsumverhaltens bei Elektronik, etc.
Verzicht auf Fast Fashion zugunsten nachhaltiger Textilien - D. Zirkuläre Lösungen für Mobilität und Verkehr
Reduktion des motorisierten Individualverkehrs
Ausbau eines qualitativ hochwertigen ÖPNV
Verbleibende Fahrzeuge elektrifizieren
(Wilts, H., 2021: 6) beschreibt die Kreislaufwirtschaft als „geradezu klassisches Querschnittsthema, das sowohl im Steuerrecht als auch in der Forschungs- und der Industriepolitik verankert werden müsste. [...] Wirtschafts-, Industrie- und Forschungspolitik müssen die radikale Umgestaltung von Produktions- und Konsumstrukturen nicht nur wohlwollend flankieren, die Integration dieser Themenfelder wird eine Schlüsselherausforderung, wenn dieser Prozess nicht nur hinreichend schnell, sondern auch mit Blick auf sozialpolitische Verteilungsfragen gerecht und mit der notwendigen Akzeptanz umgesetzt werden soll.“ (Wilts, H., 2021: 6)
Wilts, H., (2021) geht zudem davon aus, dass der Übergang zur Kreislaufwirtschaft disruptiv sein wird; auch wenn dieser mit Chancen verbunden ist, bleibt das Risiko des Verlusts alter Stärken, was sich ganz konkret im Niedergang klassisch linearer Wirtschaftszweige zeigen wird. Die Kreislaufwirtschaft ist kein Nullsummenspiel, aber im globalen Wettbewerb wird es Gewinner und Verlierer geben – abhängig davon, wer sich als First Mover oder Early Follower die entsprechende Ausgangsposition sichern kann.“ (Wilts, H., 2021: 6)
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