5.5 Digitalisierung in der Kreislaufwirtschaft

Die Nutzung von Rezyklaten ist von verschiedenen Faktoren abhängig: von den technischen Möglichkeiten, von den verfügbaren Mengen und von den Einsatzmöglichkeiten der Rezyklate bzw. Sekundärmaterialien und auch von ihrer (raschen) Auffindbarkeit zum Beispiel über digitale Plattformen.
Laut OECD (zitiert nach Wilts, H. Berg, H., 2017) sind bei der Einführung der Kreislaufwirtschaft vor allem Informationsdefizite in vier Bereichen hinderlich:
1. Unterentwickelte Informationsverfügbarkeit:
- a. Die Qualität von Rezyklaten ist oft unklar. Es fehlen Angaben wie z. B. zu Reinheit, Art und Menge von Beimischungen usf., die für eine Wiederverwendung entscheidend sind.
- b. Die Mengenverfügbarkeit von Rezyklaten auf dem Markt ist nicht transparent; Skaleneffekte werden daher nicht erzielt und Rezyklate werden unnötig teuer.
- c. Es entstehen „lemon markets“, so dass hochwertiges Rezyklat nicht direkt in den Markt gelangt oder nicht den bestmöglichen Einsatz erfährt.
2. Erhöhte Transaktions- und Suchkosten:
- a. Die unklaren Informationen über die Qualität von Sekundärmaterial erhöht den Aufwand für Nutzerinnen und Nutzer, diese zu finden und einzusetzen.
- b. Solch fehlende Informationen erschweren die Preisfindung und erhöhen den Aufwand für Vertragsabschlüsse und Garantien.
3. Die Wahrnehmung durch potenzielle Kunden ist verzerrt:
- a. Sekundärmaterial wird generell als geringwertiger wahrgenommen.
- b. Es fehlt Wissen über die generelle Einsetzbarkeit von Sekundärmaterial.
- c. Externalitäten (bspw. Luft- und Umweltverschmutzung) in den Primärmärkten werden auch mangels Information nicht eingepreist und sorgen für ungerechtfertigte Preisvorteile für Primärmaterial.
4. Technologische Probleme:
- a. Rezyklierbarkeit wird nicht als Wettbewerbsvorteil wahrgenommen.
- b. Ungünstiges Design erhöht die Recyclingkosten.
Mithilfe digitaler Instrumente lassen sich Teile dieser Informationslücken schließen. Im Besonderen wenn es darum geht, „Informations- bzw. Datenmengen über die stoffliche Zusammensetzung jedes einzelnen Produkts, seine Nutzungsmuster, seinen Verbleib im Abfallsystem etc. effektiv zu erzeugen, zu sammeln, zu verarbeiten und wieder zur Verfügung zu stellen“ (IN4climate.NRW, 2021). Auch das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage, ist ohne Digitalisierung nicht umsetzbar.
Sensortechnologien werden eine wichtige Rolle spielen, denn sie ermöglichen „in der Industrie 4.0, Daten in Echtzeit zu erzeugen und zu sammeln. Informationen über den Ort, an dem Abfälle anfallen, dessen exakte stoffliche Zusammensetzung usw. können orts- und zeitgenau festgehalten (Fast Data) und an andere Unternehmen weitergegeben werden, die daraufhin ihre Produktionsprozesse planen. Neue Ansätze der Datenanalyse zum Beispiel auf Basis künstlicher Intelligenz (Big Data) können dann Aufschluss über die weitere Verwendung, sinnvolle Logistiklösungen etc. liefern und projizieren.“ (Wilts, H., 2021)
Ein mögliches Instrument sind auch Digitale Zwillinge, die nicht nur von Städten oder Gebäuden angelegt werden können, sondern auch von Produktionsprozessen. Denn sie könnten helfen, dass Produkte Informationen nicht nur über den gesamten Produktionsprozess tragen, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus.
Digitale Zwillinge könnten bei der Wartung von Systemen hilfreich sein sowie beim Monitoring (wie er z.B. bei Gebäuden genutzt wird) um mögliche Optimierungsmaßnahmen sichtbar zu machen. „Am Ende des Produktlebens stellen sie produktspezifische Informationen zu dessen Demontage und Verwertungspotenzialen zur Verfügung und tragen so zu Wiederverwendung, Remanufacturing oder Recycling bei.“ (Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK)
Zu bedenken ist jedoch bei jeder Anwendung, dass der bereits heute mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien verbundene hohe Energie- und Rohstoffverbrauch, sich mit den Anwendungen in der KLW noch einmal steigern könnte. Wilts, H., 2021: 16f.) weist daher darauf hin, dass die Digitalisierung der Kreislaufwirtschaft kein Selbstzweck sei und geeigneter Rahmenbedingungen bedürfe, damit sie nicht zum Brandbeschleuniger ökologischer Zerstörung wird. Siehe dazu auch Kapitel 2.3.2.
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