4.1 Bauwesen

Das Bauwesen ist in seiner aktuellen Ausgestaltung verantwortlich für
- etwa 50% der gesamten Rohstoffgewinnung,
- 35% am (gesamten) Abfallaufkommen in der EU sowie
- etwa 5–12% der Treibhausgasemissionen die durch die Rohstoffgewinnung, Herstellung von Bauprodukten, dem Bau und der Renovierung von Gebäuden verursacht werden.
Die Transformation in Richtung KLW würde für das Bauwesen bedeuten, dass bereits in der Planung folgende Grundsätze zu berücksichtigen sind:
- eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs in jeder Bauphase, z.B. durch die Wahl der Baustoffe und die entsprechende Baustellenlogistik
- In der Planung bereits Aspekte wir Langlebigkeit, Nutzungsflexibilität, Abbruch bzw. Rückbaufähigkeit zu berücksichtigen, um so die Materialien im Kreislauf halten zu können.
Im Juni 2023 wurde die von der Kommission vorgeschlagene Bauprodukteverordnung vom Europäischen Rat angenommen. Darin werden neue Anforderungen festgelegt, die gewährleisten sollen, dass Bauprodukte langlebiger, reparierbar und recycelbar sind und sich leichter wiederaufbereiten lassen. (Europäischer Rat)
Beispiele, in denen diese Prinzipien bereits umgesetzt sind:
- Das „S-House“ in Böheimkirchen (Österreich). Dieses Demonstrationsgebäude wurde 2005 fertig gestellt. Bereits in der Planung wurden der gesamte Lebenszyklus, Errichtung, Nutzung und Rückbau, mitgedacht. Zudem wurden regionale Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (Stroh, Holz) verbaut. Nähere Informationen finden Sie im Lernfeld Innovative Baukonzepte.
- Ein jüngeres Beispiel ist das „Building D(emountable)“ in Delft (Niederlande, 2019). Das Bürogebäude mit Glasfassade ist vollständig zerlegbar. Nähere Informationen finden Sie in ArchDaily.
Beide Gebäude sind somit auch Rohstofflager, das heißt die Materialien können nach ihrer Nutzungsphase zumindest zum Teil wiederverwendet werden.
Zukünftig sollen auch moderne Ziegelbauten rückbaubar sein. Dazu wird im Projekt „REUSE Ziegelwand - Wiederverwenden statt Verbrauchen“ ein Bausystem entwickelt, das eine Umsetzung sowohl des ressourcenschonenden Bauens u. a. durch integrale Planung, Verwendung von BIM-Technologien und durch Vorfertigung als auch die Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Prinzips für Ziegel-Massivbauten ermöglicht.
Um diesen Grad an Rückbaubarkeit zu erreichen, sollen Verbindungslösungen entwickelt werden, die einen zerstörungsfreien Rückbau nach der Nutzungsphase erlauben. Auf diese Weise kann die Lebensdauer der Ziegel von der des Gebäudes entkoppelt und deutlich verlängert werden.

Das Gesamtkonzept soll bei Gebäuden mit vergleichsweise kurzer Nutzungsdauer (wenige Jahrzehnte), wie z. B. Verbrauchermärkten, zur Anwendung kommen (siehe TU Graz: IBPSC & ITE).
Wie der Wiedereinbau von Bauteilen aussehen kann, wird im folgenden Video aus der Schweiz besprochen:
Das Wiederverwenden von Materialien und Bauteilen ist allerdings aus mehreren Gründen (hohe Kosten, fehlende Garantien etc.) eine Nischenanwendung. Um auf nennenswerte Quoten zu kommen, wäre eine wichtige Voraussetzung der Aufbau digitaler Materialpässe oder Gebäude-Logbücher, in denen detaillierte Informationen zu verbauten Bauteilen und Materialien gespeichert und abrufbar sind. Ebenso wichtig ist die leichte Auffindbarkeit über digitale Plattformen, da der Suchaufwand für wiederverwertbare Bauteile mit nachgewiesener Schadstofffreiheit derzeit noch hoch ist, wodurch sich diese Art des Bauens verteuert.
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