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Bildung in Technik und Naturwissenschaften

4.3 Kunststoffe

Auch Kunststoffe sind allgegenwärtig, denn sie sind kostengünstig, haben wenig Gewicht und sie sind beständig. Der gedankenlose Umgang mit ihnen, führt jedoch zu immer größeren Müllbergen: Jedes Jahr fallen in der EU rund 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an, nur etwa ein Drittel wird rezykliert, wieviel davon tatsächlich wiederverwendet wird, ist nicht eindeutig.

Frans Timmermans (bis August 2023 Erster Vizepräsident der EU-Kommission) mahnt daher: "Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische. Wir müssen verhindern, dass Kunststoffe in unser Wasser, unsere Lebensmittel und sogar in unsere Körper gelangen". (Umweltdialog, 2019)

Plastikmüll hat Auswirkungen auf die Umwelt und mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die Gesundheit, da Kunststoffe häufig toxische Additive enthalten.

Problematisch sind vor allem Mikroplastik und Persistent Organic Pollutants – POP, weil sie aus der Natur nicht wieder entfernt werden können. Unter Mikroplastik versteht man sehr kleine Partikel (<5 mm) aus Kunststoff, die über große Distanzen verbreitet werden und zunehmend im Meer, aber auch in Lebensmitteln und Getränken zu finden sind. Vor allem das Vorkommen in der Nahrungskette kann ernsthafte Folgen haben, weil Mikroplastik toxische Additive abgeben. (Alfred-Wegener-Institut, o.J.)

Unterschieden wird in primäres und sekundäres Mikroplastik. Vor allem sekundäres Mikroplastik, es entsteht beim Abbau größerer Plastikteile, muss reduziert werden, da es zwischen 69% und 81% des Mikroplastiks in den Ozeanen ausmacht. (Europäisches Parlament, 2018). Seit September 2023 darf in der Produktion z.B. als Zusatz in Kosmetika und Reinigungsmitteln kein Mikroplastik mehr verwendet werden.

Eine gewisse Abfallreduktion wird mit der Richtlinie (EU) 2019/904 „Einwegkunststoffrichtlinie“ erzielt, da mit Inkrafttreten Einwegkunststoffartikel wie Besteck (Gabeln, Messer, Löffel und Essstäbchen), Teller, Trinkhalme oder auch Lebensmittelverpackungen aus expandiertem Polystyrol, (d.h. Behältnisse wie Boxen mit oder ohne Deckel) nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen.

Schritte in Richtung KLW sind bzw. wären außerdem

  • Nutzungsverlängerung und Mehrweg: Mit einem Mehrwegsystem werden die Materialien deutlich länger genutzt. Ein Beispiel dafür sind Kunststoffkisten, die so konzipiert werden können, dass sie nach der Nutzung eingesammelt, gereinigt und dann erneut genutzt werden. Bei Bedarf können sie repariert werden und am Ende granuliert, um so wieder zum Rohstoff für neue Kisten zu werden. (C2C, 2022)
  • Verbesserte Rezyklierbarkeit durch modifiziertes Produktdesign: Auch hier gilt, dass Verbundstoffe, die schwer auftrennbar sind, kaum recyclebar sind. Auch Additive wie Weichmacher etc. sowie Bedruckungen, die eine Verunreinigung darstellen, erschweren das Recyceln. Vor allem Druckfarben können problematische Stoffe enthalten. Ein Schritt in Richtung einer nachhaltigen Produktion wäre ein „Chemical Leasing“. Dabei handelt es sich um ein Dienstleistungskonzept, bei dem für den Nutzen gezahlt wird und nicht für den Ankauf der in der Produktion notwendigen Chemikalien. Der Vorteil dabei ist, dass der Nutzen der Chemikalie zusammen mit dem Know-How bezüglich Effizienz und sinnvollerweise auch hinsichtlich Materialgesundheit und späterer Rezyklierbarkeit geliefert wird. „Chemical-Leasing kombiniert also Know-how aus Produkt- und Prozess-Design des Herstellers und des Anwenders (siehe Joas, R., 2017).
    Eine Herausforderung für die Recyclingindustrie stellen i.d.R. auch die sehr unterschiedlichen Ausgangsmaterialien dar, die sich in Abfallsammlungen finden, weil diese Heterogenität die Materialeigenschaften von Rezyklaten beeinflusst.

Kunststoffe müssen daher künftig so konzipiert werden, dass sie von Anfang an für eine gleichwertige Wiederverwertung geeignet sind, denn in einem echten Kreislauf würden Materialien ohne Qualitätsverlust in eine gleichwertige Anwendung zurückgeführt werden. Im Idealfall bestehen z.B. Kunststoffverpackungen aus Monomaterialien, ihre Bestandteile sind leicht trennbar und die verwendeten Druckfarben oder Klebstoffe sind materialgesund. (siehe C2C, 2022)

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Texte: Autor_innen des Lernfelds/ Fallbeispiel/ Kurswoche, Erscheinungsjahr, Titel des Lernfelds/ Fallbeispiel/ Kurswoche. Hrsg.: e-genius – Initiative offene Bildung, www.e-genius.at”
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