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Bildung in Technik und Naturwissenschaften

4.5 Textilwirtschaft

Das Video führt uns die letzte Phase unserer „take-make-waste“ Economy drastisch vor Augen. Diese Wirtschaftsweise ist umso problematischer, da „Textilien bei der Inanspruchnahme von Primärrohstoffen und Wasser (nach Lebensmittelherstellung, Wohnungsbau und Verkehr) an vierter und als Verursacher von Treibhausgasemissionen an fünfter Stelle stehen. Schätzungen zufolge werden weltweit weniger als 1% aller Textilien zu neuen Textilien recycelt“. (Aktionsplan Kreislaufwirtschaft, 2020: 12)

Die folgende Grafik zeigt unterschiedliche Business Modelle sowie politische Optionen, um zu einer Zirkularität in der Textilwirtschaft zu kommen:

Ein Großteil der Bekleidung, die sich in der EU befindet, wird allerdings außerhalb der EU produziert. Wertmäßig betrachtet, werden nur etwa 40% der Bekleidung in der EU hergestellt. (siehe Aktionsplan Kreislaufwirtschaft, 2020: 12). Die Folgen sind komplexe Textilwertschöpfungsketten.

Grundsätzlich gilt auch im Textilbereich, dass Reduktion die oberste Prämisse sein sollte, das heißt Verschwendung und Überproduktion vermieden werden. Vor allem das Geschäftsmodell „Fast Fashion“ fördert den Überkonsum von Textilien, die nach kurzer Zeit wieder entsorgt werden. Global gesehen hat die Nutzung von Kleidungsstücken (also die Anzahl, wie oft sie getragen wird) zwischen dem Jahr 2000 und 2015 um 36% abgenommen, in China beispielsweise sogar um 70% (Niinimäki, 2020, zitiert nach Luptácik, P. & al, 2021). Vielfach wandern auch Retouren aus Online-Bestellungen ungetragen direkt in den Müll.

Eine Verlängerung der Nutzungsdauer kannauf mehrfache Weise erreicht werden: zum Beispiel durch den Kauf und Verkauf gebrauchter Kleidungstücke über digitale Plattformen oder durch Second-Hand Geschäfte oder auch mit Geschäftsmodellen, in denen Kleidungsstücke gemietet werden können, wie dies im „Codressing“ in Berlin angeboten wird:

Ein weiterer Ansatz ist das Upcycling von Kleidungsstücken. Ein Beispiel dafür liefert das Unternehmen „proto-types“, welches eine „Second Life Line“ für gebrauchte Kleidungsstücke anbietet. Aber auch das Reparieren von Kleidungsstücken, eine so gut wie vergessene Option, verlängert die Nutzungsphase.

Ist ein Kleidungsstück nicht mehr verwendbar oder verwertbar, sollte es entsprechend den R-Strategien recycelt werden. Dies wird jedoch erschwert durch Mischtextilien und durch die Tatsache, dass durch die derzeit meist verwendeten mechanischen Recyclingtechnologien die Fasern verkürzt werden und diese so an Qualität verlieren. Die Folge ist, dass ein Großteil der recycelten Textilien in qualitativ niederwertigen Anwendungen, z.B. als Wischlappen oder als Füllstoffe zum Einsatz kommen. (European Environmental Agency, 2019, zitiert nach Luptácik, P. & al, 2021).

Da das Angebot an gebrauchter Kleidung die Nachfrage in der EU weit übersteigt (European Parliamentary Research Service, 2019) wird es daher für die Zukunft von höchster Bedeutung sein, Fortschritte beim Textil-zu-Textil-Recycling zu machen (European Environmental Agency, 2019: 35, zitiert nach Luptácik, P. & al, 2021).

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