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Bildung in Technik und Naturwissenschaften
Fernkälte

7.16 Steigende Bedeutung der Fernkälte

In Europa wird derzeit rund die Hälfte der Büroflächen klimatisiert. Dieser Anteil könnte in Zukunft auf 80 % ansteigen. Schätzungen zufolge wird in Europa in 20 Jahren gleich viel Energie fürs Kühlen wie fürs Heizen benötigt werden (FGW, 2016).

Industrie- und Großkunden benutzen heute zum Teil Fernkälte das ganze Jahr über. Ganzjährig gekühlt werden unter anderem technische und medizinische Geräte, Server und Rechenzentren, Großküchen sowie Laboratorien.

Im Sommer kommt zusätzlich Kältebedarf für die Klimatisierung von Bürogebäuden, Krankenhäusern und Einkaufszentren hinzu (14). Fernkälte sollte daher auch bei der Infrastrukturplanung berücksichtigt werden (Gössl, M. et al., 2013).

Anzumerken ist bei der Fernkälte, dass die Temperaturdifferenzen zwischen Vor- und Rücklauf üblicherweise geringer sind als bei der Fernwärme und somit höhere Rohrleitungsdurchmesser notwendig sind, was die Investitionskosten erhöht, sodass zumeist geringere Distanzen als bei der Fernwärme zurückgelegt werden.

In der KWK/FWK-Potenzialanalyse der TU Wien wurde der gebäudebezogene Kühlenergiebedarf im Jahr 2025 auf Basis von Modellrechnungen mit 2,6 TWhth abgeschätzt.

In Bereichen mit einem hohen Kühlbedarf, wie z. B. in großen Bürogebäuden, Bahnhöfen, Krankenhäusern oder Shoppingcentern, und bei Vorhandensein von umweltfreundlichen Wärmequellen (Abwärme, Solarenergie, Erdwärme), aber auch bei freier Kühlung, wie z. B. durch Nutzung des Oberflächenwassers, stellt die Fernkälte über eine umweltfreundliche und wirtschaftliche Alternative zu Kompressionskältemaschinen auf individueller Basis dar.

Beispiele zur Kälteversorgung in Städten finden Sie in Kursteil 1, Woche 4 (Kapitel 4.13).