7.14 Beispiel: Fernwärme Wien

In Wien macht Wärme rund zwei Drittel des Energiebedarfs aus. Ca. 36 % aller Wohnungen werden mit Fernwärme versorgt.
Auch Wien hat die Strategie, das Fernwärmenetz weiter auszubauen, wobei es das Ziel ist, vorhandene Abwärme aus Kraftwerken und Industrie sowie zunehmend auch erneuerbare Energiequellen (Erdwärme, Solarthermie, Abfall) zu nutzen.
Die Erschließung und Entwicklung erneuerbarer Energieträger (z. B. Tiefengeothermie) für das Fernwärmesystem sowie die beträchtlichen Potenziale von Oberflächengeothermie (bis 300 m Tiefe) und von Solarenergie sind von großer Bedeutung für die Zielerreichung (Smart-City-Rahmenstrategie).
Bekannte Erzeugungsanlagen sind die Müllverbrennungsanlage Spittelau sowie die Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen Donaustadt und Simmering, in denen Erdgas verbrannt wird.
Auf dem Gelände des Kraftwerks Simmering stehen noch ein Biomasse-Heizkraftwerk und zwei große Speicher für Fernwärmewasser, mit jeweils 45 Metern höher als ein zwölfstöckiges Haus. Daneben existieren noch die Müllverbrennungsanlagen Flötzersteig und Pfaffenau sowie die Simmeringer Haide für Sonderabfälle und verschiedene Fernheizwerke (Arsenal, Inzersdorf, Kagran und Leopoldau).
Im Jahr 2016 wurden aus diesen Erzeugungsanlagen zusammen mit der industriellen Abwärme aus der OMV Raffinerie ca. ca. 5.993 GWh Wärme verkauft (Jahrbuch Wien Energie). (Zum Vergleich: Um diese Wärmeenergie mit Strom aus PV-Anlagen direkt abzudecken, wären PV-Module mit einer Gesamtfläche von ca. 55 km² notwendig, was in etwa der Fläche des 21. Wiener Gemeindebezirkes entspricht).
Seit Oktober 2017 ist im Wiener Fernwärmenetz auch ein großer „Wasserkocher“ angeschlossen, der aus überschüssigem Solar- oder Windstrom bis zu 20 MW Wärme erzeugt. Die sogenannte „Power-2-Heat-Anlage“ befindet sich am Kraftwerksstandort in der Leopoldau (Wien Energie, Blogbeitrag).
Des Weiteren wird derzeit am Kraftwerksstandort Simmering die größte und leistungsstärkste Großwärmepumpe Mitteleuropas errichtet, die ab 2019 eine Leistung von 27,2 MW bereitstellen soll. Die Wärmepumpe nutzt bislang ungenutzte Abwärme aus dem Kraftwerksprozess (Wien Energie, Pressemeldung).

